Erfolgversprechende Meta-Paywall Blendle und die Schattenseiten

Die Kostenlos-Kultur im Internet, an die man sich als Nutzer gerne gewöhnt hat, gilt als schleichende Gefahr für Verlage / Medienschaffende. Journalistische Inhalte sind durch die immense Breite des publizistischen Angebots, die vom Individuum kaum zu bewältigende Menge an Neuigkeiten und die schiere Menge an Schreiberlingen schwerer zu monetarisieren als je zuvor. Dennoch gilt stets: Wo althergebrachte Strukturen sterben, entstehen neue. Das nennt man eine disruptive Entwicklung ;-).

Für Medienschaffende steht derzeit vor allem die Monetarisierung von Online-Inhalten im Vordergrund. Die meisten Versuche aber die „Menschheit“ zurück-zu-erziehen zu zahlenden News-Konsumenten ist bislang mißlungen. Zumindest was einen durchschlagenden Erfolg angeht. Jetzt scheint mit Blendle – die Meta-Paywall ein virtuelles Kiosk-Format am Start zu sein, das sich durchsetzen könnte. Das Startup aus den Niederlanden wurde 2013 gegründet und wächst seit gut einem Jahr im Heimatland der Frau Antje.

Die Mission hinter dem Startup mit dem Claim „Supersympathisch“: „Wir packen alle Zeitungen und Zeitschriften des jeweiligen Landes hinter eine verdammt sexy Paywall und gestalten sie SO EINFACH, dass auch junge Menschen wieder für Journalismus zahlen.“ (Zitat/Quelle T3N). Nutzer legen sich bei Blendle dazu einen kostenlosen Account an, zahlen Guthaben ein und schmökern dann wie in einem News-Aggregator in allen zur Verfügung stehenden Inhalten der registrierten Medien. Wird ein Artikel gelesen, kaufen die Nutzer – übrigens inklusive Zufriedenheitsgarantie. Denn mißfällt ein Artikel, kann man diesen „zurück geben“. Die Konditionen pro Text legen die Medienschaffenden selbst fest, 30 Prozent des Geldes für gebuchte Inhalte kassiert Blendle. Derzeit seien es rund 400.000 Nutzer im Sinne von Registrierten / Lesern, die Blendle in den Niederlanden einsammeln konnte. Heute startet das vielversprechende Portal in Deutschland – inklusive einer beträchtlichen Zahl an seriösen Medien, die mitspielen.

Blendle – mitnichten die Refinanzierungslösung par excellence

Vorsicht Medienmacher: Solche Aggregatoren bündeln langfristig den Löwenanteil der Macht. Wie sieht das denn heute schon aus? Hotel-Portale diktieren Konditionen, Bewertungssyteme lenken Wertschöpfung, Suchmaschinen sind die Nummer-eins-Anlaufstelle online. Wir meinen: Kunden-Zuführung hin, Pay-Modelle her. Das Wichtigste, was man über das Marketing des 21. Jahrhunderts wissen muss ist: es geht in erster Linie darum Zielgruppen auf das eigene Angebot einzuschwören. Und in unmittelbarer Kommunikation zu halten im Sinne von langfristigem Community-Aufbau. Solche Aggregatoren erwerben langfristig alle Macht, weil Sie die einzigen Anlaufstellen werden, siehe Google. Für wertschöpfende Unternehmen –
also auch Medienhäuser – ist es absolut entscheidend die eigenen Idealkunden auf die eigene Plattform zu bekommen und dort zu halten. Das ist der Kern und die einzige wirklich langfristige Strategie*.

Für Nutzer gilt: Mit Spannung beobachten und dabei sein, denn für Registrierte ist es ja zunächst mal
Convenience pur. Wen’s interessiert, hier kann man sich einloggen und 2,50 Willkommens-Bonus kassieren: Blendle Deutschland. Hier noch der wirklich nett gemachte Blendle-Trailer:

Hier noch ein Artikel der T3N: Usability-Test zu Blendle.

* abgesehen von der signifikanten Beteiligung an Blendle wie es Springer und die New York Times schon im vergangenen Jahr gemacht haben.

Has one comment to “Erfolgversprechende Meta-Paywall Blendle und die Schattenseiten”

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  1. Ein sehr informativer Artikel zum Thema Paywall. Mittlerweile greifen ja doch immer mehr darauf zurück. Es bleibt abzuwarten, welche Entwicklung das ganze in Zukunft noch nehmen wird.

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