„Behauptete Expertise ist Expertise“

Es gibt immer Worte, Halbsätze oder Zitate, die Dich wirklich ins Mark treffen. Zusammenhänge auf den Punkt bringen, die Deine Realität entscheidend prägen. „Behauptete Expertise ist Expertise“ ist so eine Aussage. Keine  Ahnung woher ich das habe, aber es knistert noch immer. Gemeint ist die wichtigste Erkenntnis aus dem Bewerbungs-Paradigma. Aber halt, nicht so viele Fremdworte …

Es dürfte 2010 oder 2011 gewesen sein, als ich auf einer  Unternehmer-Veranstaltung einen Typen kennenlernte, der sich als Fachmann für Suchmaschinen-Optimierung bezeichnete. Schöne Grundlage dachte ich bei mir. Mit der Materie kenne ich mich gut aus, so können wir ggf. im Foyer die eher banale Keynote überbrücken. Wir wechseln Visitenkarten und kommen ins Gespräch. Als ich über die unterschiedlichen Aspekte professioneller SEO mit ihm fabuliere, merke ich, dass er auf dem Gebiet recht unbeleckt scheint. Link-Bait, doppelter Content, Triangulierung – alles Begriffe mit denen mein Gegenüber nichts  am Hut zu haben scheint. Als er dann anfängt über seine Arbeit, Meta Begriffe im Quelltext und die Relevanz von Online-Katalogen doziert erkenne ich die Lage. Kein Anfänger im Bereich SEO sondern faktisch ein Blender. Um nicht zu sagen Betrüger.

„Behauptete Expertise ist Expertise.“ Denken Sie mal drüber nach, lieber Leser. Wie soll ein un-informierter Dritter, zum Beispiel Auftraggeber, die Fähigkeiten unseres ‚Mister SEO‘ einschätzen? Er hat keine Möglichkeit. Die Materie ist schwierig, die Arbeit basiert viel auf Empirie und die Zusammenhänge in der Suchmaschinen-Optimierung sind komplex. Fakt ist, der Laie kann und wird es nicht valide beurteilen können. Und wenn unser ‚Mister SEO‘ (Arbeitstitel) dann noch eine adrette Visitenkarte hat … .

Das Bewerbungs-Paradigma

Die (wahre) Geschichte um unseren ‚Mister SEO‘ – der nachweislich diverse Kunden betreute – ist ein klassisches Beispiel für die möglichen negativen Auswirkungen des Bewerbungs-Paradigmas. Der Begriff beschreibt den Umstand, dass wir uns in der Interessentengewinnung immer dreier Phasen bewusst sein müssen. Der Phase des Bewerbungsschreibens als Analogie für unsere hoffentlich attraktive Unternehmenskommunikation. Der Phase des Bewerbungs-Gesprächs oder der aktiven und unmittelbaren Kommunikation mit einem potenziellen Auftraggeber. Beide Stufen liegen vor einem möglichen Auftrag, unterscheiden sich aber stark betreffend Form und Inhalte der Kommunikation. Und schließlich der Phase der Auftragserfüllung. Erst hier gilt es Farbe zu bekennen und erst hier wird – oft auch erst zeitlich stark versetzt – tatsächliche Expertise messbar. Aber dazu mehr in einem Artikel zum Bewerbungs-Paradigma, da hab ich mich nun selbst rein manövriert …